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Wer jetzt 70 oder jünger ist …

Professor Werner Hoffmann sagt, Unternehmen müssen heutzutage drei Voraussetzungen schaffen, damit sie Erfolg haben:

  • Digitalisierung
  • Ökologisierung
  • Krisenfestigkeit

Berater, Medien und Politiker denken ähnlich.

Werden Vorstände, Aufsichtsräte und das Management im Mittelstand mit diesen Anforderungen fertig? Ein oder zwei Generationen von Topmanagern sind überfordert, denn die Erfahrungen aus 30 Jahren Wirtschaftsaufschwung sind nicht mehr viel Wert. Headhunter meinen, 25 – 30% der derzeitigen Vorstandsmitglieder – männliche wie weibliche – sind überfordert. In der mittelständischen Wirtschaft sieht es ähnlich aus. Die Folge: Ersatzbedarf. Die Chancen für Junge sind intakt, wenn sie mehr können als „weitermachen wie bisher, weil es ja so gut lief“. Und wie sieht es in NPOs, Hochschulen, Museen und Theatern, bei den Berufspolitikern und in der Öffentlichen Verwaltung aus?

Weltweit gab es zwar auch in den vergangenen Jahrzehnten viele Krisen. Der Unterschied zu heute: Im Augenblick sind wir hautnah betroffen und die meisten sind darauf nicht vorbereitet.

Wer jetzt 70 oder jünger ist,

… wurde 1950 oder später geboren. Der II. Weltkrieg war gerade 5 Jahre zu Ende.

… hat nie wirklich Hunger gelitten und musste nicht auf Stoppelfeldern Melde wenigstens für eine Suppe suchen.    

… hat nicht im Luftschutzkeller um sein Leben gezittert     und das der Eltern und Geschwister.

… musste nicht für den Vater in der Gefangenschaft beten.

… war wahrscheinlich nie arbeitslos und Kurzarbeit hat er oder sie nicht erlebt.

… hat sich über jede Überstunde mit einem Zuschlag von 25% über das 48-Stunden-Soll pro Woche gefreut.

Wer diese Erfahrungen, die heute rasch gebraucht werden, nicht mitbringt und Jahrzehnte auch nicht vermisste, muss nachholen, was mühsam ist oder muss aufgeben. Manche wollen oder können auch nicht aufholen, wie der eine oder andere Lehrer im Umgang mit dem Computer beim homelearning der Schülerinnen und Schüler, was manche Eltern in die Nähe der Verzweiflung brachte.

Wer etwas für die akute Leistungsfähigkeit des Managements tun möchte oder tun sollte, muss das Erfahrungsdefizit beim Management zu verringern suchen oder Manager beim Ausstieg ideell und materiell unterstützen.

Das ist die dringendste strategische Aufgabe heute: Managementpotential sichern – wichtiger als Kostenmanagement, Digitalisierung, Marketing, grüne Umwelt und … Es geht in der postcoronalen Zukunft um Fähigkeiten der Männer und Frauen an der Spitze, die bereit und in der Lage sind das neu zu denken, was Generationen vor ihnen schon wussten, das aber eine Zeit lang verschüttet war. Der Blick nach Asien, Indien und Südamerika kann dabei helfen.

Gastkommentar von Rolf Eschenbach, Mai 2020

Über den Autor: https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Eschenbach